Bionik, mein Studienfach, basiert unter anderem auf Tierversuchen. Im Fach Präparationstechnik machen wir (zu Lernzwecken!) Untersuchungen an toten Tieren – die meisten sind allerdings nicht extra für unseren Unterricht getötet worden. Einige Heuschrecken aber schon, Forellen auch – zumindest haben wir die Forellen nach der Präparation geräuchert und gegessen.
Jetzt hat depone auf seinem Blog die Gewissensfrage nach den Tierversuchen gestellt. Was mein Gewissen sagt:
Ein Lebewesen, sogar wenn es tot auf dem Labortisch liegt, ist mehr als ein Objekt. Ich finde, Quälereien kommen nicht in Frage und bei jedem Tierversuch muss die Frage gestellt werden, ob er wirklich nötig ist und ob seine Ergebnisse so wichtig sind. Tierversuche pauschal abzulehnen funktioniert als Bioniker nicht. Denn wenn ich Mitmenschen und letztlich auch dem Ökosystem Erde mit Hilfe der Bionik helfen will und dazu Tierversuche machen muss, ist nur eine ausgewogene Entscheidung sinnvoll. Ich finde das sollte aber nicht als Pseudo-Argument für die Tierversuche benutzt werden, die aus Profitgier stattfinden. Auch wenn Tiere nur zu Lernzwecken getötet werden, ist meist eine Grenze überschritten. Unsere Professorin hat erzählt, dass im Praktikum früher für Untersuchungen an noch frischen Muskeln jeder einen Frosch mit der Schere schlachten musste…
Was meint ihr?
Juni 21, 2006 um 10:25 |
Das ist ja was! Hab grad auf dem Nachhauseweg darüber nachgedacht auch was zum Thema Tierversuche zu schreiben, weil ich da auch grade drüber nachdenke! Echt!
Hab ab nächste Woche nämlich nen Praktikum wo wir im Prinzip auch Tierversuche machen… zwar nicht so wie man sich das vorstellt (irgendwelchen Ratten eklige Cremes auf die Haus schmieren oder so)…
Wir werden Fische in Wasser setzen in dem viel mehr CO2 ist als normalerweise und gucken wie sie damit umgehen. Das ist bestimmt nicht schön für die Fische… hilft aber uns bzw. den Wissenschaftlern die Auswirkungen der erhöhten CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre zu erforschen…
Hhmm, und ist es nicht auch ein Tierversuch wenn ich im Sommer ein paar Schnecken im Aquarium halte um zu gucken welche Algenteile sie lieber fressen?
Ich denke auch, dass man sich immer fragen muss wie notwendig ein Versuch jetzt wirklich ist um unnötiges Leid zu vermeiden.
Könnt noch viel mehr schreiben… vielleicht doch ein Post auf meinem Blog…
Juni 21, 2006 um 10:34 |
ich meinte übrigens: …eklige Cremes auf die HAUT schmieren!
September 2, 2006 um 12:14 |
Dieses Fressen und Gefressen werden ist doch immanenter Bestandteil des Prinzips Ökosystem auf der Erde. Ich mach mir da wenig Gedanken. Schlimmer als einen auseinandergebauten Frosch finde ich Massenmanipulationen die ausser kontrolle geraten: Beispiel Gentechnik! Einmal in die Natur entlassen, vergößert sich das Problem exponenziell und kann uns sogar alle das Leben kosten.
Dass Du für Profit Dinge tun musst die Du nicht magst, daran wirst Du dich wohl gewöhnen müssen, denn ohne dürfte Dein Überleben in Frage gestellt sein. Es sei denn Du engagierst Dich für ein neues Geldsystem, das die Hortung von Geld und die Verwandlung aller Natur und Werte in Geld nicht rational als sinnvollste finale Lösung ergibt.
Das soll Dich jetzt auch ein wenig provozieren. Gruss, Helge.
September 5, 2006 um 12:48 |
Dass Fressen und Gefressen werden Teil (!) des Ökosystems der Erde ist, dagegen wehre ich mich gar nicht. Und mit dem Gesamtökosystem herumzuexperimentieren finde ich auch auf jeden Fall noch wesentlich problematischer als Tierversuche.
Dennoch möchte ich mit dem Leben eben respektvoll und gut umgehen. Dazu gehört es ein Lebewesen nicht einfach für nichts zu opfern und auch es nicht zu sehr leiden zu lassen.
Warum soll ich mich daran gewöhnen für Profit Dinge zu tun, die ich nicht mag? Denkst du, dass es nicht möglich ist profitabel zu sein, wenn man tut, was dem Leben dient? Alles andere ist es doch nicht wert, dass jemand dafür bezahlt. Diese Sichtweise, dass Leben selbst den höchsten Wert hat, geht natürlich verloren, wenn man die Evolutionstheorie zu sehr verallgemeinert und eine Art „Wirtschaftsdarwinismus“ zum zwingenden Gesetz der menschlichen Gesellschaft erklärt.