In einer Serie über Luther schreibt Tobi Künkler mal wieder spannende Gedanken:
„Luther kann und will Gott nicht allein in einem jenseitigen, fernen Sein denken. Er kann und will sich keinen gottlosen, gottfreien Raum vorstellen. Das ganze Werden ist von Gott durchdrungen, überall stößt man auf ihn. Nur der in seinem Ichbewusstsein isolierte Mensch, in seiner inneren Entfremdung von Gott, vernimmt nichts von Gottes Gegenwart. So haben wir heute die Vorstellung von einer säkularisierten, eine von Gott befreiten Welt und meinen darin schalten und walten zu können. Aber unsere Welt ist nicht gottentleert, sondern nur virtuell in der Vorstellung der Menschen. Stark gesprochen: Diese Welt ist eine Fiktion des modernen Ichbewusstseins.“
Ein Satz, der auch mit einer theologischen Debatte zusammenhängt, ob die Schöpfung von Gott getrennt ist oder von Gott durchdrungen, ob also nur der in sich verkrümmte Mensch Gott in der Schöpfung nicht mehr wahrnimmt oder ob die Spaltung noch tiefer geht.
Wenn aber die Schöpfung von Gott durchdrungen ist, liegt der Schluss nahe, man könne durch achtsames Bewusstsein Gott in der Schöpfung begegnen und so die Trennung überwinden – da allerdings würde Luther widersprechen. Auch das folgende Zitat habe ich aus Tobis Post entnommen:
„Jedoch sieht Luther einen entscheidenden Unterschied: Den Unterschied wenn Gott da ist und wenn Gott Dir da ist. Dies ist ein großer Unterschied: wissen, dass ein Gott ist, und wissen, wer Gott ist. „Das erste weiß die Natur, und es ist in alle Herzen eingeschrieben, das zweite lehrt allein der heilige Geist.“ Gott kommt jedoch als der zur Welt, der immer schon in der Welt gegenwärtig ist, bei allen Kreaturen und in allen, – „tiefer, innerlicher, gegenwärtiger als die Kreatur sich selbst“.“



