Archiv für Juli 2006

Luther bei pickaboo

Juli 20, 2006

In einer Serie über Luther schreibt Tobi Künkler mal wieder spannende Gedanken:

„Luther kann und will Gott nicht allein in einem jenseitigen, fernen Sein denken. Er kann und will sich keinen gottlosen, gottfreien Raum vorstellen. Das ganze Werden ist von Gott durchdrungen, überall stößt man auf ihn. Nur der in seinem Ichbewusstsein isolierte Mensch, in seiner inneren Entfremdung von Gott, vernimmt nichts von Gottes Gegenwart. So haben wir heute die Vorstellung von einer säkularisierten, eine von Gott befreiten Welt und meinen darin schalten und walten zu können. Aber unsere Welt ist nicht gottentleert, sondern nur virtuell in der Vorstellung der Menschen. Stark gesprochen: Diese Welt ist eine Fiktion des modernen Ichbewusstseins.“

Ein Satz, der auch mit einer theologischen Debatte zusammenhängt, ob die Schöpfung von Gott getrennt ist oder von Gott durchdrungen, ob also nur der in sich verkrümmte Mensch Gott in der Schöpfung nicht mehr wahrnimmt oder ob die Spaltung noch tiefer geht.

Wenn aber die Schöpfung von Gott durchdrungen ist, liegt der Schluss nahe, man könne durch achtsames Bewusstsein Gott in der Schöpfung begegnen und so die Trennung überwinden – da allerdings würde Luther widersprechen. Auch das folgende Zitat habe ich aus Tobis Post entnommen:

„Jedoch sieht Luther einen entscheidenden Unterschied: Den Unterschied wenn Gott da ist und wenn Gott Dir da ist. Dies ist ein großer Unterschied: wissen, dass ein Gott ist, und wissen, wer Gott ist. „Das erste weiß die Natur, und es ist in alle Herzen eingeschrieben, das zweite lehrt allein der heilige Geist.“ Gott kommt jedoch als der zur Welt, der immer schon in der Welt gegenwärtig ist, bei allen Kreaturen und in allen, – „tiefer, innerlicher, gegenwärtiger als die Kreatur sich selbst“.“

Naher Osten

Juli 17, 2006

Björn hat auf seinem Blog einige Sachen zum Nahen Osten geschrieben. Ich weiß nicht, was ich zu der Situation im nahen Osten denken soll – vielleicht: Selig sind die Friedfertigen, auch wenn man immer nur den Lärm der anderen hört.

WM – Nachwirkungen

Juli 17, 2006

Draußen hupt es und ich horche auf. Ein Autokorso? Nein, die WM ist vorbei und das Hupen hört sich auch schon wieder aggressiver an.

Wo waren die Griesgrämigen während der WM? Und wie ist es ihnen bei der ausufernden Ausgelassenheit ergangen? Oder waren wir einfach alle besser gelaunt und werden jetzt langsam wieder griesgrämiger?

Auch wenn die WM vorbei ist: Ein nettes WM – Erlebnis möchte ich trotzdem noch mit euch teilen.

Auf dem Heimweg vom Argentinienspiel nahe der Schlachte, der Bremer Weserpromenade – überall jubelnde und singende Fußballfans in ausgelassener Stimmung. Da kreuzte ein älterer Radfahrer aus den Niederlanden meinen Weg und fragte mich nach dem seinigen, der ihn zur Jugendherberge führen sollte. Nach kurzer Wegbeschreibung fuhr er davon, doch schon an der nächsten Kreuzung traf ich ihn wieder: Er hatte an der roten Ampel warten müssen. In diesem Moment fiel ihm ein euphorischer Fußballfan in die Arme und gab ihm einen Kuss. Der niederländische Fahrradfahrer – etwas perplex und doch amüsiert – wollte gerade seinen Fotoapparat zücken, um den Fan zu konservieren. Aber da war dieser schon über alle Berge…

So war das also – zu Gast bei Freunden!!!

Flugkünstler und Garageneinfahrten

Juli 5, 2006

Wer Mauersegler beim Fliegen beobachtet, wundert sich, dass sie nicht zusammenstoßen. Denn sie fliegen gewöhnlich schneller als 100 Kilometer in der Stunde – im Sturzflug auch mal 220 km/h. Dennoch produzieren sie auch genug Auftrieb für extrem langsame Flüge. Und so fliegen sie enge Kurven und rasante Sturzflüge und fangen sich doch wieder. Der erste Flug ihres Lebens dauert bis zu sechs Jahre und auch danach landen sie nur, um Junge aufzuziehen.

Ich mag Mauersegler, sie sind einfach zum Fliegen geboren und schon zuzusehen macht mir Spaß.

Jetzt haben sie auch das Interesse der Bioniker auf sich gezogen. Denn sie haben das Tempolimit überschritten. 70 km/h am Nesteingang!? Die haben doch einen Vogel! Hinten im Nest liegen empfindliche Eier und so ein Mauerseglernest ist nicht gerade geräumig. Was wäre denn das, wenn ein Autofahrer am Garagentor noch 70 km/h drauf hätte und hinten in der Garage stünde das Familienporzellan. Irgendwie schaffen sie es trotzdem. Jedenfalls sah man, als man dieses Bremsmanöver filmen wollte, erst den Vogel beim Einflug den ganzen Nesteingang verdeckend und schon im nächsten Moment friedlich auf den Eiern brütend.

Interessant ist außerdem ihre Aerodynmik. Denn ihr stabiler Langsamflug würde nicht funktionieren, wenn nicht ein Luftwirbel an der Flügelvorderkante noch weiteren Auftrieb verursachen würde – das machen auch Hummeln und andere Insekten so. Nur der Mensch noch nicht…

Mauersegler

Abbildung gefunden bei Vogelschutz Thurgau