Rückkehr über Grenzen

By blogomotivführer

Bei unserer Rückreise haben wir eine Mitfahrgelegenheit. Unser Fahrer wohnt mit seiner Familie in Deutschland. Jetzt hat er seine Eltern besucht, die er vorher ein Jahr lang nicht gesehen hatte.

Durch seine Worte sehen wir Rumänien noch einmal aus einer anderen Perspektive. In Mediasch weist er auf ein Haus und meint: „Hier wohnt der Mafiaboss von Mediasch. Wer hier ein Unternehmen anfangen will, muss erst mit ihm sprechen.“

Er meint, dass die EU für viele Rumänen schlecht sei. Die Preise in den Supermärkten steigen, aber die Löhne der Rumänen bleiben gleich – bei ungefähr 140 € im Monat. Früher, sagt er, haben die Rumänen sich gerne in der Nachbarschaft geholfen, inzwischen sei ein kühleres Klima eingezogen. Auf meine Frage, ob er den Umgang in Deutschland miteinander nicht auch als kühl und distanziert empfinde, antwortet er, dass die Deutschen doch sehr rücksichtsvoll und gastfreundlich seien. In seinem Dorf habe er schnell guten Kontakt mit den Nachbarn bekommen.

Bei der Fahrt durch ein Dorf erzählt er, dass hier vor ein paar Jahren die Bewohner nach einem Mord alle Zigeuner umgebracht haben. Mir schaudert es. Auch er ist der Meinung, dass die meisten Zigeuner Verbrecher seien – er habe als Militärpolizist viel mit Zigeunern zu tun gehabt. Zu einem gewissen Grad scheint es tatsächlich auch diese schlechten Erfahrungen mit Zigeunern zu geben, aber irgendwie hat sich das verselbstständigt.

Bald sind wir an der Grenze, dort müssen wir länger warten. Wie so oft ist es ein bisschen ungerecht: Unsere Pässe werden kaum beachtet, während die Beamten den Pass unseres Fahrers genau mustern.

Mit dieser Fahrt ist unsere Rumänienreise zu Ende. Wir hatten auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Zeit. Viele Begegnungen und Erlebnisse hatten wir nicht geplant, sondern sind damit beschenkt und gesegnet worden. Das war schon echt krass und dafür bin ich dem kreativen und liebevollen Gott dankbar. Es hat viel Spaß gemacht hier davon zu erzählen. Vielen Dank, liebe Leser, für eure Aufmerksamkeit und Kommentare!

4 Antworten zu „Rückkehr über Grenzen“

  1. tilman sagt:

    willkommen in good old germany!

  2. blogomotivführer sagt:

    Danke für das Willkommen! Hat mich gefreut. Nach der Reise habe ich nur erstmal das Weblog ein bisschen vernachlässigt und deshalb nicht geschrieben.

  3. LegendaryRomanianThug sagt:

    Die meisten Zigeuner sind Verbrecher. Das war schon immer so und wird sich leider auch nicht mehr ändern wobei man sich einen neuen Antonescu wünscht. Wer würde schon etwas anderes von einem Volk sagen das seine eigenen Kinder verstümmelt damit sie mehr fürs betteln bekommen!!

  4. blogomotivführer sagt:

    Hallo Herr Thug.
    Das ist einer der traurigsten Posts auf meinem Blog bisher. Die Meinung, die du äußerst, ist sehr vereinfachend. Wenn man mit Menschen zu tun hat, kann man nicht einfach sagen: „Die gehören zu der und der Volksgruppe also sind sie Verbrecher.“ Es gibt dieses Phänomen, dass Kinder verstümmelt werden und zum Betteln geschickt werden in Wirklichkeit leider unter allen möglichen Volksgruppen – wahrscheinlich unter Zigeunern etwas häufiger als bei anderen.
    Zu einem gewissen Maß verursacht aber gerade das Vorurteil „Zigeuner sind Verbrecher“ zigeunerisches Verhalten und andersherum: Natürlich bestätigt jedes seltsame oder verbrecherische Verhalten das Vorurteil. Deshalb schreibe ich, dass sich der Zusammenhang zwischen Realität und Vorurteil „verselbstständigt hat“. Ich behaupte nicht, dass die Kriminalitätsrate unter Zigeunern nicht hoch ist. Aber das Vorurteil tut denen unrecht, die Roma sind, aber keine Verbrecher und die gibt es auch. Stell dir vor du würdest ständig Verbrecher genannt, obwohl du nichts getan hast, was gegen das Gesetz verstößt.
    Dass du dir „einen neuen Antonescu“ wünschst, ist für mich völlig inakzeptabel. Damit sagst du, dass du die Zigeuner zu einem Sündenbock machen möchtest. Das, was du hier vorschlägst, ist Völkermord und ein wesentlich größeres Verbrechen als alles andere, was man Menschen vorwerfen könnte.
    Ich glaube, wirkliche Lösung von Problemen erzielt man nie, indem man die Menschen in gut und böse unterteilt und „die Bösen“ auslöscht, sondern indem man versteht, dass man selbst in der Grauzone dazwischen ist und immer wieder umkehrt und Wege einschlägt, die lebendig sind.

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