Bereits 1929 in Barcelona predigte Bonhoeffer, dass es nicht um allgemeine ethische Prinzipien gehe, sondern darum unter Gottes Augen verantwortlich zu handeln. Folgender Satz klingt mit dem Wissen um Bonhoeffers spätere Beteiligung am Widerstand fast wie ein Vorgriff:
Es gibt keine an sich schlechten Handlungen, auch der Mord kann geheiligt werden, es gibt nur ein Treubleiben oder ein Abweichen von Gottes Willen, es gibt eben kein Gesetz im eigentlichen Sinne, sondern nur das Gesetz der Freiheit, d.h. seine Verantwortung allein zu tragen vor Gott und sich selbst.
Die Theologie Karl Barths war für Bonhoeffer schon im Theologiestudium sehr prägend gewesen. 1931 traf er nach einem Stipendium in den USA nun zum ersten mal persönlich auf diesen und hatte Gelegenheit mit Barth über das Thema Ethik zu diskutieren. In einem Brief an Erwin Sutz, einen Freund, schreibt er von dieser Diskussion:
Er wollte mir nicht zugeben, wovon ich erwartete er müsste. Es gäbe doch außer dem einen großen Licht in der Nacht auch noch viele kleine Lichterchen, sogenannte „relative ethische Kriterien“, deren Sinn und Recht und Wesen er mir aber doch nicht verständlich machen konnte, es blieb beim reinen Hinweis auf die Bibel. Zuletzt meinte er, ich mache aus der Gnade ein Prinzip und schlage damit alles andere tot. Ich bestreite ihm natürlich das erste und möchte doch wissen, warum das andere alles nicht totgeschlagen werden soll. … Schließlich ging ich nach schwerem Entschluß nach Haus. Da ist wirklich einer, von dem man was holen könnte, und da sitzt man in dem ärmlichen Berlin und bläst Trübsal, weil niemand da ist, bei dem man Theologie lernen könnte.


