Archiv für Oktober 2007

Madikeri

Oktober 29, 2007

Vorletzten Freitag und Samstag war ich zusammen mit ein paar anderen europäischen Studenten in Madikeri, einer Kleinstadt, die auf über 1100 m Höhe im Kaffeeanbaugebiet Coorg (Kodagu) liegt. Die Busfahrt von Mysore dauerte dreieinhalb Stunden und ging erst durch eine fruchtbare Landschaft mit Reisfeldern und Kokosnussplantagen, später über extrem holprige Straßen durch Wälder und Berge. Die letzten eineinhalb Stunden war also Festhalten angesagt. Immerhin haben wir unterwegs aber einige Waldabeiter mit Elefanten gesehen. Ziemlich erschöpft kommen wir schließlich in Madikeri an, die Stadt liegt zwischen und auf bewaldeten, sehr grünen Bergen. In der Monsunzeit ist es hier feucht, nebelig und recht kühl. Teilweise hängen Wolken in den Tälern. Alles wirkt ein bisschen gedämpft. Auch die indische Musik – irgendetwas zwischen Folklore und Techno, die anlässlich des Darsarafestes an jeder Straßenecke aus Lautsprechern tönt. Wir übernachten in einem Touristhome, die Zimmer sind zwar etwas modrig, aber sonst ganz okay.

Berglandschaft in Coorg

Am nächsten Morgen ist Wandern dran. Unser Ziel sind die Abbi Falls, ca. 20 m hohe Wasserfälle 8 km von Madikeri. Zuerst geht es noch in der Stadt bergauf, Kinder rennen ein Stück mit und winken, fragen „Where are you from?“ und „What is your name?“. Außerhalb der Stadt fällt uns zuerst die Ruhe auf, in Bangalore ist es tagsüber eigentlich nie still. Aber dann werden wir auch schon wieder von einem hupenden Kleinbuskonvoy mit indischen Touristen überholt. Nach ca. zwei Stunden Fussmarsch nähern wir uns den Abbifalls, auf Schildern wird beiläufig erwähnt, dass hier jährlich ein paar Leute wegen der rutschigen Felsen ein unglückliches Ende fänden. Die Besichtigungsplattform ist dann aber am Fuß der Wasserfälle. Europäer und Inder lassen sich vor den Wasserfällen ablichten…

Am Sonntag sind wir dann über Mysore zurückgefahren und haben dort zusammen mit mehr als 5 Lakhs* Indern und einigen Touristen bei einem Umzug anlässlich des Darsarafestes zugeschaut, bei dem der Sieg des Guten gegen das Böse gefeiert wird. Aber zuerst mal sitzen alle miteinander bei sommerlichen Temperaturen am Straßenrand und warten. Just an der Stelle, wo auch wir uns niedergelassen haben, entbrennen immer wieder kleine Streitigkeiten, darüber ob die sitzende Menge, die noch nach Sitzplätzen suchenden Menschenmassen durchlässt oder nicht. Es wird keine alle zufriedenstellende Lösung gefunden und so drängt sich immer wieder für ein paar Minuten eine Menschenschlange durch die Sitzenden, die dann bei nächster Gelegenheit wieder die Lücken schließen. Die Auseinandersetzung verläuft im Großen und Ganzen gewaltlos, wenn auch nicht ohne lautes Schimpfen. Schließlich vertreiben die Polizisten alle übrigen Passanten von der Straße und nach weiterem Warten rennt erst ein verirrter Streunehund (unter Applaus) die Straße entlang, dann kommt schließlich die Parade: Verkleidete Leute, geschmückte Wagen, deren Aufbauten teils alte Legenden erzählen – ein bisschen erinnert mich das an Faschingsumzüge in Karlsruhe. Aber natürlich ist es ganz anders, denn am Umzug nehmen auch festlich geschmückte Elefanten, viele tanzende Schwertträger, der König von Karnataka und seine ergebensten Diener teil. Als die Parade zu Ende ist, wird einem von uns im Gewühle das Portemonaie gestohlen.

Nach einem anstrengenden Tag und viel Aufregung sind wir froh als wir schließlich im klimatisierten Volvobus (eine der Bussorten, die hier zwischen den Städten verkehren) nach Bangalore sitzen…

* so wird hier gezählt: 1 Lakh sind 100.000, 1 Crore sind 10.000.000

Meines Feindes Feind ist…

Oktober 10, 2007

Als ich neulich vom Institut über den Campus nach Hause ging, kam ich an einem Rudel streunender Hunde vorbei, die sich um irgendetwas Erbeutetes stritten – zum Glück. Ich weiß ja nicht, was sie gemacht hätten, wenn sie nicht so beschäftigt gewesen wären.

Als ich letzten Sonntag mit dem Bus aus der City zurückkam, musste ich mal wieder die Kreuzung vorm Campushaupteingang überqueren. Ich stand also am Straßenrand und wartete auf eine Gelegenheit. Ein streunender Hund hatte scheinbar dasselbe Vorhaben . Die Ampel wird rot, die Flut der Motorrikschaws, Mopeds, Motorräder, Autos und Busse kommt zum stehen. Ich laufe los, bis zur Mitte der Straße, jetzt ist der Gegenverkehr dran. Aber lieber nicht warten, bis die Ampel für den Streifen auf dem ich gerade stehe wieder grün wird. Eine Lücke im Gegenverkehr, nichts wie los. Hoffentlich dreht der Streunehund nicht durch, wenn er mich rennen sieht. Aber ganz im Gegenteil, der hat die Lücke auch gesehen und rennt. Die andere Seite der Straße ist erreicht, der Hund wirkt auch erleichtert – noch nie war mir ein Streunehund so sympathisch.

Indian Institute of Science

Oktober 10, 2007

Inzwischen bin ich schon mehr als einen Monat hier auf dem Campus, höchste Zeit mal etwas über meine Praktikumsstelle und meinen “Arbeitgeber” zu schreiben:

Das Indian Institute of Science ist Indiens renommierteste Universität im naturwissenschaftlich technischen Bereich. Daher musste ich mir auch schon gleich zu Anfang in Bengaluru die vorwurfsvolle Frage anhören, warum man das denn in Deutschland nicht kenne. Und tatsächlich wird hier ziemlich geklotzt: Das Institut bildet nur Master und Ph.D. Studenten aus, hat für fast alle mir bekannten technischen und naturwissenschaftlichen Fachbereiche (außer vielleicht Bionik) ein Department und in jedem Department mehrere Research Labs, die je von einem Professor geleitet werden, dessen Hauptauftrag Forschung ist. Da werden dann durchaus heiße Eisen der aktuellen Forschung angepackt – von der Automatisierung des Produktdesigns bis zur Entwicklung neuester Speicherbausteine für PC’s. Auch an der Ausrüstung wird nicht gespart. Und so hat das kleine Centre for Product Design and Manufacturing (CPDM) vom eigenen Werkstatthaus bis zum Rapid Prototyping alles, was das Designerherz begehrt. Dementsprechend ist dann auch der Research Output – da ist das IISc unter südasiatischen Instituten auf Platz eins.

An Motivation fehlt es ebenso nicht – die meisten Leute in meinem Lab sind zwischen morgens um 10 und 19 Uhr im Lab und nach dem Dinner wird auch manchmal noch ein paar Stunden gearbeitet – bis zwölf Uhr nachts. Allerdings nicht immer hocheffizient und hin und wieder unterbrochen von einer Teepause oder so.

Natürlich gibt es auch ein paar Schönheitsfehler, zum Beispiel, dass manchmal für ein paar Stunden der Strom ausfällt. Dann ist man eben gezwungen wieder mal eine Pause am Tea Board einzulegen…

Ich selbst bin im IdeasLab gelandet. Dort wird an Design Methoden geforscht. Und daher musste ich mich in den letzten Wochen erstmal ordentlich in die Konstruktionslehre einlesen. In meinem Projekt werde ich mich dann wohl mit der Schnittstelle zwischen biologischem Wissen und den Produktdesignern befassen. Bis jetzt wirkt das alles ganz spannend, jedoch auch ziemlich anspruchsvoll. Immerhin ist es kein absolutes Neuland, hat doch ein Ph.D.-Student in meinem Lab schon ein Programm entwickelt, das bei Beschreibung einer Funktion mit ein paar Analogien aus der Biologie aufwartet.

Für alle Wissbegierigen, verlinke ich schliesslich mal noch die homepage des IISc.