Vorletzten Freitag und Samstag war ich zusammen mit ein paar anderen europäischen Studenten in Madikeri, einer Kleinstadt, die auf über 1100 m Höhe im Kaffeeanbaugebiet Coorg (Kodagu) liegt. Die Busfahrt von Mysore dauerte dreieinhalb Stunden und ging erst durch eine fruchtbare Landschaft mit Reisfeldern und Kokosnussplantagen, später über extrem holprige Straßen durch Wälder und Berge. Die letzten eineinhalb Stunden war also Festhalten angesagt. Immerhin haben wir unterwegs aber einige Waldabeiter mit Elefanten gesehen. Ziemlich erschöpft kommen wir schließlich in Madikeri an, die Stadt liegt zwischen und auf bewaldeten, sehr grünen Bergen. In der Monsunzeit ist es hier feucht, nebelig und recht kühl. Teilweise hängen Wolken in den Tälern. Alles wirkt ein bisschen gedämpft. Auch die indische Musik – irgendetwas zwischen Folklore und Techno, die anlässlich des Darsarafestes an jeder Straßenecke aus Lautsprechern tönt. Wir übernachten in einem Touristhome, die Zimmer sind zwar etwas modrig, aber sonst ganz okay.

Am nächsten Morgen ist Wandern dran. Unser Ziel sind die Abbi Falls, ca. 20 m hohe Wasserfälle 8 km von Madikeri. Zuerst geht es noch in der Stadt bergauf, Kinder rennen ein Stück mit und winken, fragen „Where are you from?“ und „What is your name?“. Außerhalb der Stadt fällt uns zuerst die Ruhe auf, in Bangalore ist es tagsüber eigentlich nie still. Aber dann werden wir auch schon wieder von einem hupenden Kleinbuskonvoy mit indischen Touristen überholt. Nach ca. zwei Stunden Fussmarsch nähern wir uns den Abbifalls, auf Schildern wird beiläufig erwähnt, dass hier jährlich ein paar Leute wegen der rutschigen Felsen ein unglückliches Ende fänden. Die Besichtigungsplattform ist dann aber am Fuß der Wasserfälle. Europäer und Inder lassen sich vor den Wasserfällen ablichten…
Am Sonntag sind wir dann über Mysore zurückgefahren und haben dort zusammen mit mehr als 5 Lakhs* Indern und einigen Touristen bei einem Umzug anlässlich des Darsarafestes zugeschaut, bei dem der Sieg des Guten gegen das Böse gefeiert wird. Aber zuerst mal sitzen alle miteinander bei sommerlichen Temperaturen am Straßenrand und warten. Just an der Stelle, wo auch wir uns niedergelassen haben, entbrennen immer wieder kleine Streitigkeiten, darüber ob die sitzende Menge, die noch nach Sitzplätzen suchenden Menschenmassen durchlässt oder nicht. Es wird keine alle zufriedenstellende Lösung gefunden und so drängt sich immer wieder für ein paar Minuten eine Menschenschlange durch die Sitzenden, die dann bei nächster Gelegenheit wieder die Lücken schließen. Die Auseinandersetzung verläuft im Großen und Ganzen gewaltlos, wenn auch nicht ohne lautes Schimpfen. Schließlich vertreiben die Polizisten alle übrigen Passanten von der Straße und nach weiterem Warten rennt erst ein verirrter Streunehund (unter Applaus) die Straße entlang, dann kommt schließlich die Parade: Verkleidete Leute, geschmückte Wagen, deren Aufbauten teils alte Legenden erzählen – ein bisschen erinnert mich das an Faschingsumzüge in Karlsruhe. Aber natürlich ist es ganz anders, denn am Umzug nehmen auch festlich geschmückte Elefanten, viele tanzende Schwertträger, der König von Karnataka und seine ergebensten Diener teil. Als die Parade zu Ende ist, wird einem von uns im Gewühle das Portemonaie gestohlen.
Nach einem anstrengenden Tag und viel Aufregung sind wir froh als wir schließlich im klimatisierten Volvobus (eine der Bussorten, die hier zwischen den Städten verkehren) nach Bangalore sitzen…
* so wird hier gezählt: 1 Lakh sind 100.000, 1 Crore sind 10.000.000


