Zwischen zwei Zuegen in Ahmedabad habe ich ein paar Stunden Zeit. Ich wimmle in der Bahnhofshalle alle Rickshawfahrer ab, die mich zu einem Hotel bringen wollen. Waehrend ich auf der Anzeigetafel nach dem Gleis meines Zuges schaue, fragt mich ein aelterer Mann: „What are you doing?“ Ich antworte ihm, dass ich auf meinen naechsten Zug warte. Obwohl ich mir fast sicher bin einen Rickshawfahrer vor mir zu haben, frage ich vorgeblich unvoreingenommen: „What are you doing?“ Lachend erwidert der Mann: „I am a Rickshawdriver.“ Im Moment bin ich also gerade kein Kunde. Nachdem der Mann im Getuemmel verschwunden ist, kommt mir die Idee ihn nach einem nahegelegenen Gujarati-Style Restaurant zu fragen, durchaus im Bewusstsein, dass er mich dann wahrscheinlich auch dort hin fahren will. Tatsaechlich empfiehlt er ein Restaurant namens „Azed“ oder so aehnlich, aber statt mich zu seiner Rickshaw zu geleiten, beschreibt mir den Weg. Dann sagt er: „I could also have taken 20 Rupees from you and brought you there, but it is a walking distance.“ Ich mache mich also auf den Weg. Tatsaechlich ist aufgrund des Verkehrsgewuehls wahrscheinlich der Fussweg schneller als zu fahren. Ahmedabad hat wirklich einen extremen Strassenverkehr und ist laut Reisefuehrer in den Top Ten der luftverseuchten Staedte. Nach einigem Fragen, falschen Wegbeschreibungen und herumirren stehe ich in einer Seitenstrasse ploetzlich vor dem gesuchten Restaurant und habe eine entspannende Mahlzeit bevor es weitergeht. Der Lassi ist mit Rosinen und Nuessen verfeinert und einer der besten, die ich je getrunken habe. Da hat ein Rickshawdriver es wirklich gut mit mir gemeint…
Bei der Weiterfahrt bin ich ausnahmsweise in der zweiten akklimatisierten Klasse, wie in der Sleeperclass lassen sich auch hier Sitze in Liegen fuer die Nacht umklappen. Allerdings sind nur zwei Liegen uebereinander untergebracht und sogar die Liegen parallel zum Gang sind lang genug fuer meine Beine. Ausserdem werden Kissen bereitgestellt und man kann die Abteile mit Vorhaengen abgrenzen. Haendler und Bettler muessen draussen bleiben. Nur wohlhabende Inder leisten sich diesen Luxus. Die meisten Fahrgaeste hier sind etwas reservierter als in der Sleeperclass, wo immer schnell Gespraeche entstehen. Eigentlich schade, aber diese Nacht ist es fuer mich angenehm, um ordentlich zu schlafen.


